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18. Oktober 2010
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Wo Ganztagsschule drauf steht, muss auch Ganztagesschule drin sein!

Angelika Weikert und Hans-Ulrich Pfaffmann stellen Forderungskatalog nach Landtagsanhörung auf

Bei der Anhörung im bayerischen Landtag zum Thema „Jugendhilfe und Ganztagesschulen" (18. 10. 2010) bestätigen die Experten: Die drei großen Ziele, die mit der Einführung von Ganztagsschulen verbunden sind, werden in Bayern nicht annähernd erreicht: Statt höherem Lern- und Bildungsniveau, mehr Bildungsgerechtigkeit und besserer Vereinbarung von Familie und Beruf sind die allermeisten bayerischen Ganztagsschulen, die in offener Form geführt werden, leider eher Betreuungs- und Aufbewahrungsschulen.

Die Experten sind sich einig: Eine bildungspolitische Gesamtkonzeption der gebundenen, rhythmisierten Ganztagsschule wird ohne finanziellen Mehraufwand nicht zu haben sein. „Im Klartext: eine gute Ganztagsschule kostet mehr Geld, als bisher zugestanden wird. Und der Bedarf an gebundenen Ganztagsschulen ist groß, die Nachfrage steigt," so der SPD-Bildungssprecher Hans-Ulrich Pfaffmann.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Angelika Weikert betont: „Die echte Ganztagsschule ist ein wirksames Instrument, um soziale Ausgrenzung zu verhindern und jedes Kind individuell zu fördern - das belegen aktuelle Untersuchungen der Stadt München. Hier können wir ein Stück echte Bildungsgerechtigkeit herstellen. Leider ist die Ganztagesschule in Bayern nicht das, was sie sein sollte! Schon der Umfang – nur 6,1 Prozent aller Kinder werden in einer gebundenen Ganztagesschule unterrichtet- ist mehr als unzureichend.."

Unabhängig davon gibt es noch nicht einmal eine grundlegende Verständigung darüber, was unter einer Ganztagesschule verstanden wird. Pfaffmann: „Nicht immer sind Ganztagsschulen auch drin, wenn von Ganztagsschulen gesprochen wird. Es fehlen verbindliche Ausbauplanungen, pädagogische Konzepte und klare Profile. Kooperationen mit Jugendhilfeeinrichtungen in der offenen Ganztagesschule sind stets nur auf ein Schuljahr begrenzt. In so gut wie allen Schulen sind die Räume knapp. Es gibt Entwicklungsbedarf in der Organisation, der Didaktik, der Pädagogik – leider bisher ohne Unterstützung durch das Ministerium." Unklar ist auch, wie mit Fragen der Erziehung in der offenen Ganztagsschule umgegangen wird. Erzieherische Aufgaben können dort ja nicht auf den Nachmittag, die unterrichtsfreie Zeit verschoben werden. Und schließlich kann die Betreuung nicht schon um 16 Uhr enden, wenn ein normaler Vollzeitarbeitsplatz 40 Stunden bedeutet. Auch für die Ferien müssen Betreuungslösungen angeboten werden.

Die SPD-Landtagsfraktion fordert:

  • Die staatliche Schulpolitik muss verbindliche Mindeststandards und Ausstattungsregeln für die Ganztagesschule festlegen und auch finanzieren. Wer von guter Bildung spricht, muss diese auch entsprechend ausstatten.
  • Die Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Schule muss dringend systhematisiert werden, die Begrifflichkeiten geklärt und Zuständigkeiten klar festgelegt werden.
  • Wir brauchen weniger Zentralismus, sondern mehr Verlagerung von Verantwortung vor Ort. Schulen, Jugendhilfeausschusse vor Ort, müssen beteiligt werden.

„Die Experten haben auch deutlich gemacht: Es darf nicht vergessen werden, dass wir hier nicht nur über Systeme sprechen, sondern über Kinder und Jugendliche – und die brauchen Räume zur Entfaltung, altersgemäße Anregungen zum Lernen und Entdecken, Rückhalt und Förderung. Bildung ist mehr als Schule!" so Angelika Weikert.

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