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20. September 2010
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SPD-Landtagsfraktion stellt Projekt für regionale Gemeinschaftsschule vor

Startschuss für die Entwicklung eines Referenzmodells " in den oberbayerischen Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg. Martin Güll: Die Alternative zur Mittelschule

Die SPD-Landtagsfraktion macht ernst mit der Entwicklung eines Alternativmodells zur bayerischen Mittelschule. Darin sollen Kinder von der 4. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet und individuell gefördert werden. Der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll hat das Projekt für eine regionale Gemeinschaftsschule vor der Presse im Bayeroischen Landtag vorgestellt. Güll ist es gelungen, den in Deutschland derzeit renommiertesten Schulentwickler, Dr. Ernst Rösner, an Bord zu holen. Ernst Rösner hat als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schulentwicklungsinstituts an der Dortmunder TU die sehr erfolgreichen Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein entwickelt. Ebenso zeichnet er für das erste Gemeinschaftsschulmodell in Ascheberg in Nordrhein-Westfalen verantwortlich. Ernst Rösner soll den Projektverlauf erläutern.

Das Referenzmodell wird in den beiden oberbayerischen Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg im Landkreis Eichstätt entwickelt. Projektträger wird neben den Gemeinden und der SPD-Landtagsfraktion der neu gegründete Förderverein „Bildung am Limes" sein.

Startschuss für die Entwicklung eines Referenzmodells "Regionale Gemeinschaftsschule in Bayern" in den oberbayerischen Gemeinden Denkendorf und Kipfenberg (Landkreis Eichstätt) als Alternative zur Mittelschule
Vorlage zur Pressekonferenz mit Martin Güll, MdL, Bildungsexperte in der SPD-Landtagsfraktion und Mitglied im Bildungsausschuss des Landtags, mit Dr. Ernst Rösner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Schulentwicklung an der TU in Dortmund, Jürgen Hauke, 1. Bürgermeister Gemeinde Denkendorf, Alfons Weber, 1. Vors. des Fördervereins „Bildung am Limes".

Im ganzen Land bestehen Zweifel, ob die Einführung der bayerischen Mittelschulen als Weiterentwicklung der Hauptschulen die Schieflage im bayerischen Schulsystem beseitigen kann und ob die Zusammenschlüsse von ehemaligen Hauptschulen zu Mittelschulverbünden die wohnortnahen Schulstandorte sichern können.
Dazu der Bürgermeister der Gemeinde Rimpar, Burkard Losert (CSU) am 13.09.2010 in der Mainpost Würzburg:
„Da wird auf Biegen und Brechen versucht, der Hauptschule ein neues Etikett zu verpassen. Der Witz ist, dass wir in Rimpar all das, was jetzt gefordert wird, schon hatten." Und auf die Frage, was die Mittelschule bringen soll: „Dass die Schüler mehr fahren müssen. Dass die Gemeinde mehr zahlen muss. Wie immer. Sie können mich ruhig zitieren."

Warum wird ein Referenzmodell entwickelt?
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern lässt die bayerische Staatsregierung keinerlei Modelle für regionale Schulkonzepte zu. In Bayern kann bisher den Eltern an keinem konkreten Modell gezeigt werden, wie ihr vielfacher Wunsch nach längerem gemeinsamen Lernen in der Praxis umgesetzt werden kann. Es ist deshalb notwendig, in einer bayerischen Kommune ein neues Schulkonzept mit realistischen Zahlen und unter Einbezug der regionalen Besonderheiten von A bis Z durchzuplanen, das dann für weitere Modellregionen als Muster verwendet werden kann.

Die „regionale Gemeinschaftsschule" als Alternativmodell
Jede Weiterentwicklung des bayerischen Schulsystems muss folgende Eckpunkte erfüllen:

  • die Berücksichtigung der demografischen Entwicklung der Schülerzahlen mit einem regional sehr unterschiedlichen Rückgang (Laut einer Bertelsmannstudie wird die Zahl der Zehn- bis 15-Jährigen bis 2025 um etwa 18 Prozent zurückgehen, in einzelnen Landkreisen wie dem oberpfälzischen Tirschenreuth sogar um bis zu 36 Prozent)
  • die Akzeptanz der unterschiedlichen Schulangebote durch Eltern und Schülerinnen und Schüler (Eltern bewerten Schulangebote nach dem möglichen Schulabschluss und lehnen deshalb mehrheitlich die Hauptschule ab)
  • den Zugang zu allen Bildungsangeboten unabhängig von der Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern (Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zur letzten internationalen TIMMS-Studie: „Die Ergebnisse zeigen, dass der Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I einer der kritischsten Punkte ist, an dem soziale Ungleichheit entsteht.")
  • die nachhaltige Sicherung von hochwertigen Bildungsangeboten in den bayerischen Städten und Gemeinden (Bertelsmannstudie: Bildung wird zu einem immer wichtigeren Standortfaktor, wenn Kommunen versuchen, junge Familien anzulocken. Aus demografischer Perspektive ist es eine „pure Notwendigkeit", das System zu ändern)

Warum eine regionale Gemeinschaftsschule?
Die regionale Gemeinschaftsschule wird die Schwachpunkte des gegliederten Schulsystems ausgleichen. Vor allem wird sie

  • für alle Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule ein Angebot vorhalten. Damit entfallen das Aufteilen der Kinder in verschiedene Schularten und der Leistungsdruck in den letzten Jahren der Grundschule, insbesondere in der vierten Klasse.
  • die individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schülern, der schwachen wie der leistungsstarken, zum Ziel haben.
  • alle Schulabschlüsse nach der Sekundarschule anbieten, also neben dem Berufsqualifizierenden Abschluss (Quali) einen echten Realschulabschluss (nicht M-Zug-Prüfung) und den unmittelbaren Durchstieg zur Oberstufe (Gymnasium bzw. Beruflich Oberschulen etc.).
  • den Eltern sowie Schülerinnen und Schülern die Sicherheit geben, dass erst am Ende des Lernprozesses, also in der zehnten Klasse, entschieden werden muss, welchen Abschluss man anstreben kann; „pubertäre Durchhänger" können damit ausgeglichen werden, ohne die Schule verlassen zu müssen.
  • für die Kommunen Planungssicherheit und eine Aufwertung der gemeindlichen Infrastruktur bringen; bleiben viele Jugendliche während ihrer Schulzeit am Ort, ist das ein Gewinn für alle gesellschaftlichen Gruppen (Vereine, kommunale Einrichtungen, Kirchen etc.).

Warum wird das Referenzmodell gerade in Denkendorf und Kipfenberg entwickelt?
Wie in vielen bayerischen Gemeinden waren auch in der Gemeinde Denkendorf am Rande des Altmühltals (Einwohner ca. 4.400) die Zweifel groß, ob der Zusammenschluss mehrerer kleiner Hauptschulen zu einem Mittelschulverbund den eigenen Hauptschulstandort sichern wird. Da der Mittelschulverbund nur die Jugendlichen der Hauptschule im Blick hat und nicht die gesamte Kohorte der Jugendlichen im Bereich der Sekundarstufe I (also 5. – 10. Klasse), bleiben nur mehr rund 100 Schülerinnen und Schüler übrig. Bereits jetzt schon wird die Schülerzahl in den einzelnen Jahrgängen so klein, dass entweder eine Umsiedlung in andere Schulen droht oder von anderen Schulen Schüler zum Ausgleich herangebracht werden müssten.

Nach vielen Vorgesprächen hat der Gemeinderat im Sommer einstimmig beschlossen, ein alternatives Schulmodell entwickeln zu lassen. Die Situation in der Nachbargemeinde Kipfenberg im Altmühltal ist ähnlich gelagert, sodass sich der Marktrat dort ebenfalls für die Entwicklung aussprach.
Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung eines alternativen Schulmodells erfüllt: Die Initiative geht von den Menschen in der Kommune aus, ihre Beteiligung an dem Entwicklungsprozesswird für eine große Akzeptanz sorgen.

Warum dauert der Start des Schulmodells so lange?
Regionale Gemeinschaftsschulen sind keine „Stangenware". Sie müssen passgenau und vor allem bedarfsgerecht für die jeweilige Region entwickelt werden. Es ist notwendig, die regionalen Besonderheiten, kulturell wie wirtschaftlich, genau in den Blick zu nehmen. Das pädagogische Konzept muss sorgfältig entworfen werden. In einer Gemeinschaftsschule müssen sowohl die Lehrpläne des Gymnasiums und der Realschule als auch der Hauptschule repräsentiert sein. Dazu wird die Unterstützung von Fachleuten benötigt.
Die beiden Gemeinden werden deshalb den renommierten Schulentwickler Dr. Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklung an der TU in Dortmund mit der Projektleitung beauftragen. Dr. Rösner hat u.a. das sehr erfolgreiche Konzept der Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein entwickelt. Er ist Vorsitzender des Beirats Gemeinschaftsschule der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Er rechnet mit einer Entwicklungszeit von rund zwei Jahren.

Wann kann die regionale Gemeinschaftsschule in Denkendorf-Kipfenberg an den Start gehen?
Es ist geplant, den Modellantrag zum Schuljahr 2012/2013 beim Kultusministerium zu stellen.

Werden weitere Modellentwicklungen für regionale Gemeinschaftsschulen folgen?
Seit Monaten gibt es mit mehreren bayerischen Kommunen Gespräche, auch dort bedarfsgerechte Alternativmodelle zur Mittelschule zu entwickeln. Zunächst soll aber das Referenzmodell in Denkendorf-Kipfenberg entwickelt werden. Zug um Zug werden dann weitere Gemeinden in das Projekt mit aufgenommen.

Links zum Thema:

SPD-Landtagsfraktion will Gemeinschaftsschulmodell in der Praxis erproben
Martin Güll, MdL, stellt Alternativkonzept zur Mittelschule auf der Basis einer regionalen Gemeinschaftsschule in Denkendorf vor

Gemeinsam länger Lernen. Vielfalt unter einem Dach. Für die Gemeinschaftsschule in Bayern.
Die SPD-Landtagsfraktion für wohnortnahe integrative Schulen, in denen die individuellen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler bis zum bestmöglichen Schulabschuss optimal gefördert werden.

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