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14. Oktober 2010
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Wasser ist Leben! Für einen nachhaltigen Gewässer- und Hochwasserschutz

Von Ludwig Wörner MdL Energie- und umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktio

Gewässerschutz

Das bayerische Trinkwasser ist – über den ganzen Freistaat betrachtet – gut. Das ist das Verdienst der kommunalen Daseinsvorsorge. Bayerns kommunale Trinkwasserversorger sorgen für die sichere Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser in hoher Qualität und zu günstigen Preisen. Doch nicht überall ist die Trinkwassergewinnung problemlos: So machen beispielsweise erhöhte Nitratwerte das Mischen verschiedener Brunnen und Quellen erforderlich. Hinzu kommen weitere Gefährdungspotenziale wie Mineraldünger, tierische Fäkalien, Pflanzenschutzmittel, Chemikalien und Arzneimittel.

Hohe Nitratgehalte sind ausschließlich durch menschliches Verhalten und hier durch übermäßige Düngergaben und Intensivlandwirtschaft verursacht. Mit verheerenden Folgen für die Trinkwasserqualität. Nicht umsonst wurde der Trinkwassergrenzwert vor einigen Jahren auf 25 Milligramm je Liter halbiert. Betroffen sind vor allem leichte und flachgründige Böden im Norden Bayerns.

Immer wieder werden bei Wasserproben auch Rückstände von Medikamenten nachgewiesen. Das Umweltbundesamt spricht von mehr als 150 verschiedenen Arzneiwirkstoffen in Seen und Flüssen, im Grundwasser und teilweise sogar im Trinkwasser. Die möglichen Folgen sind in höchstem Maße besorgniserregend. Antibiotika können in diesem Zusammenhang dazu führen, dass Krankheitserreger resistent werden, bestimmte Krebsmedikamente können das Erbgut schädigen. Hier muss endlich sichergestellt werden, dass die Abwässer der Pharmaindustrie nicht mehr in unsere Gewässer gelangen.

Ein besonderes Ärgernis ist auch das CSU-gewollte Defizit bei den Trinkwasserschutzgebieten, die der wichtigste Faktor für wirksamen Grundwasserschutz und damit die Trinkwassersicherheit sind. In seiner berüchtigten Umweltregierungserklärung des Jahres 1995 hatte der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber versprochen, dass der Umfang der Trinkwasserschutzgebiete in Bayern nie mehr als fünf Prozent der Landesfläche ausmachen werde. Das Versprechen halten auch seine Nachfolger: Gerade einmal 3,25 Prozent der Landesfläche sind heute Schutzgebiet. Damit ist Bayern Schlusslicht in Deutschland. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 13 Prozent. Hier muss die Staatsregierung endlich aktiv werden.


Hochwasserschutz

Grundsätzlich ist Hochwasser ein ganz natürliches Ereignis, das meist dann auftritt, wenn der Boden die Niederschlagsmengen nicht mehr aufnehmen kann. Die extremen Hochwasser in Bayern häufen sich aber. Aufgrund des immer schneller voranschreitenden Klimawandels werden diese in Zukunft vermutlich noch häufiger auftreten und heftiger ausfallen. Als Folge des Klimawandels wird künftig besonders im Winter eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Starkregen erwartet. Deswegen steigt vor allem in den Winter- und Frühjahrsmonaten die Hochwassergefahr in ganz Deutschland. Zu den besonders gefährdeten Gebieten zählt der Alpenraum. Um die Häufigkeit von Hochwassern über das natürliche Niveau hinaus zu begrenzen, ist daher aktiver Klimaschutz vonnöten. Der Hauptgrund für den Klimawandel ist bekanntermaßen die Freisetzung von Treibhausgasen. Etwa 78 Prozent des gesamten Emissionsvolumens entfallen dabei auf Kohlendioxid (CO2) und davon ein Großteil auf die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas. Um wenigstens die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen ist daher dringend die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien zu vollziehen.

Hochwasser lassen sich nicht verhindern, wohl aber ihre Schäden begrenzen. So haben z.B. das Pfingsthochwasser 1999, das Sommerhochwasser 2002 und das Augusthochwasser 2005 alleine in Bayern Schäden von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Beim Hochwasserschutz steht aber nicht selten lediglich der Bau oder die Verstärkung von Deichen im Mittelpunkt. Der Bau von immer höheren Deichen bietet aber oft keinen ausreichenden Schutz. Vielmehr verleiten vermeintlich sichere Deiche dazu, in potenziellen Überflutungsgebieten Wohn- und Gewerbegebiete zu errichten. Diese immer wieder praktizierte Besiedlung hochwassergefährdeter Zonen ist der Hauptgrund für die extrem hohen Schadenssummen bei Hochwassern.

Bayern braucht beim Hochwasserschutz ein Gesamtkonzept. Betrachtet werden muss immer das gesamte Flusseinzugsgebiet. Notwendig sind Maßnahmen, die die Abfließgeschwindigkeit des Wassers verringern und dabei helfen, Hochwasserspitzen abzubauen. Dazu brauchen die Flüsse vor allem mehr Raum. Erforderlich hierzu sind Deichrückverlegungen, die Neuanlage und Pflege von Retentionsräumen wie Auwäldern und Feuchtwiesen, das Aufbrechen von Flussbettkorsetten, die Schaffung von Überschwemmungsflächen sowie die Entsiegelung von Böden. Für diese Maßnahmen müsste die Bayerische Staatsregierung aber auch endlich die entsprechenden Mittel bereitstellen.