Markus Rinderspacher zur Umfrage-Affäre der CSU-Staatskanzlei: Schluss mit dem Filz!
Mit Steuergeldern kaufte die CSU in der Staatsregierung Strategietipps für den Umgang mit dem politischen Gegner und für die Auseinandersetzung mit dem Koalitionspartner. Das flog auf. Jetzt hat sie Ärger. Zu Recht.
Was dürfen Landesregierungen von der Bevölkerung demoskopisch erfragen? Mit Sicherheit die Bürgermeinung zu landespolitischen Themen und aktuellen Projekten. Verboten sind dagegen Meinungsumfragen, die dem Machterhalt einer Partei dienen. Nach bisherigen Erkenntnissen hat die CSU-geführte Staatskanzlei aber genau solche Umfragen in Auftrag gegeben und sie vor dem Landtag und der Öffentlichkeit geheim gehalten.
Sie hat „Wen-würden-Sie-wählen?" gefragt und für Ratschläge bezahlt, wie man die Konkurrenz bekämpft und die Auseinandersetzung mit dem Koalitionspartner FDP zu führen habe. Letztere saß brav am Kabinettstisch und ahnte nicht, dass die „Gurkentruppen"-Schmähung durch den CSU-General im steuerfinanzierten Drehbuch standen.
Sie wäre selbst heute noch ahnungslos, wenn wir nicht nach vergeblichen Landtagsanfragen Klage beim Verfassungsgericht eingereicht hätten, der ertappte Staatskanzleichef Schneider daraufhin die Notbremse ziehen musste und uns die Umfragen aus 2006, 2007 und 2008 herausrückte.
Wir haben die Studie veröffentlicht, der FDP ging ein Lichtlein auf, die Medien hatten Stoff und die Koalition Zoff. Da es sich um verdeckte Parteienfinanzierung handelt, musste der Bundestagspräsident eingeschaltet werden. Der Bayerische Oberste Rechnungshof prüft.
Unsere Verfassungsklage halten wir aufrecht. Denn bis jetzt hat die CSU hat aus ihrem Absturz gelernt und tut weiterhin so, als sei der Freistaat ihr Parteieigentum. Der Filz wuchert. Wir sagen: Schluss damit!
Die Chronologie der Umfragen-Affäre der Staatsregierung (10.08.2010)
Markus Rinderspacher: CSU-Geheimkommando, das auf Lug und Trug basiert
Die Dokumente im Wortlaut (PDF):
Die ursprünglichen Antworten der Staatsregierung auf die
schriftlichen Anfragen von Markus Rinderspacher:
- Meinungsumfragen im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung (22.02.2009)
http://www.bayernspd-landtag.de/downl/PK10/090422Anfr_Umfragen.pdf - Resonanzstudien im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung (28. Mai 2009)
http://www.bayernspd-landtag.de/downl/PK10/090804Anfr_Resonanz.pdf
Pressemitteilung der SPD-Landtagsfraktion vom 18.05.2010
Rinderspacher will Abgeordnetenrechte durchsetzen
und Staatsregierung zur Freigabe von Meinungsumfragen zwingen
Knapp zwei Monate nach Einreichung einer Verfassungsklage von SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher hat die Staatsregierung reagiert - und "unabhängig von einer rechtlichen Bewertung" dem Abgeordneten den Inhalt strittiger Meinungsumfragen der Jahre 2006 bis 2008 offen gelegt:
- Resonanzuntersuchung Bayern Dezember 2007
http://www.bayernspd-landtag.de/downl/PK10/100804Resonanz2007.pdf - Resonanzuntersuchung Bayern Ende 2008
http://www.bayernspd-landtag.de/downl/PK10/100804Resonanz2008.pdf - Untersuchung zur Familienpolitik, Juli 2006
http://www.bayernspd-landtag.de/downl/PK10/100804U_Familienpolitik.pdf
Links zum Thema:
- Hat Stoiber Kanzlerkandidatur demoskopisch vorbereitet? (12.08.2010)
SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher: Seehofer muss Stoiber-Umfragen veröffentlichen und darf CSU-Geheimkommando nicht fortsetzen - SPD nimmt Stoiber in Staatskanzlei-Umfragen-Affäre ins Visier (11.08.2010)
Fraktionschef Markus Rinderspacher schreibt offenen Brief an den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber - Chronologie der Umfragen-Affäre der Staatsregierung (10.08.2010)
Markus Rinderspacher: CSU-Geheimkommando, das auf Lug und Trug basiert - Markus Rinderspacher: Seehofer täuscht in der Umfragen-Affäre die Öffentlichkeit (09.08.2010)
44 Seiten der 48-seitigen Umfrage sind erkennbar parteipolitisch von Nutzen für die CSU. Die Studie dient nicht, wie von der Staatsregierung fälschlich behauptet, zur Planung der Regierungsarbeit. Der Ministerpräsidentz hat eingeräumt, die Fragen vor Auftragsvergabe gelesen zu haben. - Staatskanzlei-Chef Schneider hat offenbar systematisch parteiorientierte Studien gedeckt (06.08.2010)
SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher: Der Minister reagierte erst nach Klageeinreichung vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof - Das Geheimnis der FDP-Gurkentruppe (05.08.2010)
CSU holte sich in Resonanzstudie Tipps gegen den Koalitionspartner – SPD-Fraktionschef Rinderspacher fragt, ob die Umfrage auch dem Kabinett vorlag - Verdeckte Parteienfinanzierung: Markus Rinderspacher zeigt CSU beim Bundestagspräsidenten an (04.08.2010)
Bayerische Staatskanzlei hat Meinungsumfragen mit dem Interesse an Wahlkampfempfehlungen in Auftrag gegeben. SPD-Fraktionschef erzwingt Herausgabe der Studien mit Verfassungsklage.
Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion