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30. Juni 2010
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Mittelschule: Nichts wird besser und was schlecht ist, bleibt

Von Martin Güll, MdL
Bildungspolitischer Sprecher der BayernSPD-Landtagsfraktion

Mit der Einführung der Mittelschule und der Schulverbünde in Bayern haben CSU und FDP mit ihrer Regierungsmehrheit im Sommer 2010 ein Schulkonzept durchgesetzt, das pädagogisch anspruchslos ist, an der Wirklichkeit vorbeizielt und in größter Eile zusammengezimmert wurde, ohne die Eltern mitzunehmen. Von der überfälligen Reform der Hauptschule und der zukunftsfähigen Sicherung eines wohnortnahen, differenzierten und berufsorientierten Bildungsangebotes im Hauptschulbereich, das allen Schülerinnen und Schülern zugänglich ist, kann keine Rede sein.

Von Bayerns Kultusminister wird der Eindruck vermittelt, die Hauptschulen würden zu "Mittelschulen" umgebaut. Das ist wie im Märchen von des "Kaisers neuen Kleidern". Es gibt keine bessere Hauptschule, es gibt keine pädagogische Entwicklung, die gleiche Bildungschancen schafft. Es gibt nur einen neuen Namen. Ettikettenschwindel, mehr nicht.

Das Märchen von der Stärkung der Hauptschulen
Der bayerische Elternverband hat mit Fug und Recht kritisiert: "Die Mittelschule führt zu einer weiteren Zersplitterung des ohnehin schon unübersichtlichen Schulsystems." Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband hält es für "geradezu absurd, Schüler noch mehr zu sortieren und einen zusätzlichen Schultyp zu schaffen." Denn nicht alle Hauptschulen können "Mittelschulen" werden.
Im Klartext: Die verbleibenden Hauptschulen werden noch stärker entwertet.

Das Märchen vom Erhalt der wohnortnahen Schule
Das Gesetz sieht vor, dass aus Hauptschulen ein "Mittelschulverbund" organisiert wird, der insgesamt ein Budget für Lehrerstunden erhält. Aber das ist das Aus für alle kleinen Schulstandorte.
Denn wenn dieses Budget zum Erhalt der kleineren Schulen nicht ausreicht, müssen die Kommunen als Sachaufwandsträger entweder die Lehrer selber bezahlen oder die Schule schließen.
Die Gewinner werden die größeren Schulstandorte sein, die Verlierer die wohnortnahen, kleineren Schulen. Das ist keine regionale Weiterentwicklung der Schulen, die dem Bedarf der Schulkinder vor Ort folgt.
Im Klartext: Die Schullandschaft wird sich mittelfristig auf die größere Standorte mit dem Angebot des Realschulabschlusses konzentrieren.

Das Märchen von der Kostenneutralität
Das Gesetz stellt klar, dass die Staatsregierung nicht bereit ist, die Kosten für die Einführung von Mittelschulen und den Aufbau von Schulverbünden zu tragen.
Im Klartext: Die Staatsregierung verordnet den Kommunen von oben herab zusätzliche Belastungen, ohne sie finanziell zu unterstützen. Alle entstehenden Kosten bleiben allein an ihnen hängen. Dies gilt sowohl für die Investitionen als auch für den laufenden Bedarf.

Fazit: Wo früher Hauptschule draufstand, ist auch künftig nur Hauptschule drin - auch wenn Mittelschule draufsteht. Für die Kommunen ein teures neues Türschild.
Und aus Sicht der Schülerinnen und Schüler: Das Kultusministerium hat nach wie vor kein Gespür für die notwendige individuelle Förderung und für eine pädagogische Schulentwicklung.

Pressemitteilungen der SPD-Landtagsfraktion zur Mittelschule: