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10 Gründe für eine neue Bildungskultur in Bayern
4. Das zentralisierte Schulwesen verhindert eigenständige Schulkonzepte vor Ort

Schule in Bayern wird zu sehr von oben dirigiert und kontrolliert. Freiräume und Ressourcen für eigene, lokal zugeschnittene Akzente fehlen. Viel Initiative vor Ort wird gegängelt und durch zu straffe Vorgaben abgewürgt.

10 Schritte zu einer neuen Bildungs-kultur in Bayern

In den  Schulen wird nahezu alles von oben - vom Kultusministerium in München aus direkt oder über den verlängerten Arm der Regierungen - verordnet, nahezu alles bedarf der Genehmigung. Daran haben die "Innere Schulentwicklung" , all die Modellversuche  und auch die Modus 21 Konzeption nicht wirklich grundlegendes geändert. Es wird zwar viel erprobt, jedoch wenig davon kommt vor Ort an und verbessert dort die Situation, weil weder die dazu nötigen Freiräume geschaffen, noch die nötigen Finanz- und Personalressourcen zur Verfügung gestellt werden. Das äußerst knapp bemessene Personalbudget lässt den Schulen vor Ort keinen Spielraum für eigenständige Konzepte und die Reaktion auf konkrete Probleme und Bedürfnisse vor Ort. Es fehlt das Vertrauen in die Schulen und der Mut, dort eigen-ständige Ansätze zuzulassen, um konkrete Lösungen vor Ort zu finden und umsetzen zu können.

Dies haben auch unabhängige Untersuchungen belegt:

  • Das zentrale Schulmanagement ist stark zersplittert. Dies gilt für die Zwischenebenen (Schulämter) ebenso wie für das zentrale Ministerium. Dadurch entsteht ein erhöhter Koordinationsaufwand, der nicht mehr zeitgemäß ist und leicht gestrichen werden kann.
  • Das gesamte Schulmanagement in Bayern ist auf Kontrolle nach unten angelegt. Notwendig wäre aber eine stärkere Ausrichtung auf Beratung und die Übertragung von Zuständigkeiten an die Schulen im Sinne von mehr Eigenverantwortung und größerer Selbständigkeit, sowohl im pädagogischer als auch verwaltungstechnischer Hinsicht.
  • Das zentralistische, auf Kontrolle angelegte bayerische Schulmanagement, bindet erhebliche Kapazitäten im administrativen Bereich, die somit für pädagogische Tätigkeiten verloren gehen. Notwendig ist aber z.B. eine Stärkung des Qualitätssicherungsmanagements und die Schaffung pädagogischer und verwaltungs-technischer Controlling- (nicht Kontrolle!) Systeme.
  • Das Schulmanagement in Bayern ist zu groß, zu teuer und entspricht nicht der modernen Schulentwicklung. Zu fordern ist deshalb der Rückbau der zentralen Schulverwaltung und der mittelzentralen Schulverwaltung
    Quelle: Roland Berger & Partner, Untersuchung der Bayerischen Schulverwaltung

Die Schulen, deren Schulleiter und die dort tätigen Lehrerinnen und Lehrer hingegen kennen die Situation vor Ort am besten und wissen daher meist ziemlich genau, was getan werden müsste, um eine befriedigende Lösung zu finden.

Schon jetzt allerdings gilt, dass es in unzähligen Schulen Bayerns durch die Tatkraft und das Verantwortungsbewusstsein des örtlichen Schulmanagements immer wieder gelingt, dem unbegründbaren, überkommenen Zentralismus der staatlichen Schulverwaltung zum Trotz moderne, kindgerechte Schule zu organisieren und zu leben. Die Erfahrungen dieser Schulleitungen und ihrer Kollegien müssen in die Reform einfließen. Da die Problemlage überall verschieden ist, können und müssen sich auch die Lösungen unterscheiden.

(13.01.2006)