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10 Gründe für eine neue Bildungskultur in Bayern
3. Bildungsungerechtigkeit und soziale Herkunft prägen die gesamte Schulkarriere

Nicht die Fähigkeiten eines Kindes entscheiden über seine Schulkarriere, sondern seine soziale Herkunft. Bildung und Bildungsmangel werden in Bayern "vererbt". Zugleich ist die Bevölkerung in vielen Teilen Bayerns unterversorgt, was weiterführende Schulen angeht.

10 Schritte zu einer neuen Bildungs-kultur in Bayern

"Deutschland und die Schweiz gehören zu den Ländern mit den größten Unterschieden in der Lesekompetenz von Jugendlichen aus höheren und niedrigeren sozialen Schichten. Die Differenz beträgt in Deutschland mehr als eineinhalb Kompetenzstufen oder 1,2 Standartabweichungen."
(Quelle: Baumert, Klieme, Neubrand: Pisa, Schülerleistungen im internationalen Vergleich, im Auftrag der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland, S.40)

Zum Problem der geringen Bildungsbeteiligung in Bayern kommen erschwerend die regionale Unterschiede bei den Zugängen zu den weiterführenden Schulen und zu den erreichten Abschlüssen (z.B. Hochschulreife: Differenz zwischen Ober- und Niederbayern = 9,9 Prozentpunkte).

Diese Unterschiede sind in den letzten 40 Jahren nur wenig verändert worden. Grundsätzlich haben Regionen mit niedriger Abiturientenquote einen recht hohen Realschüler-/innen-Anteil. Neben den Ausbildungs- und Arbeitsplatzkapazitäten der Wirtschaft, die offensichtlich den Bildungswillen der Region beeinflusst, spielt immer noch die Erreichbarkeit der weiterführenden Schulen eine große Rolle bei der Wahl des Bildungsganges.

Versorgung der Bezirke mit Realschulen
(jeweils beste und schlechteste Ergebnisse)

1963/64

 Mittelfranken 

74.455

Einwohner pro Schule 

 

 Schwaben

29.247  

Einwohner pro Schule 

2001/02

 Mittelfranken 

48.524

Einwohner pro Schule 

 

 Niederbayern 

29.637

Einwohner pro Schule 

Versorgung der Bezirke mit Gymnasien
(jeweils beste und schlechteste Ergebnisse)

1963/64

Unterfranken

29.653

Einwohner pro Schule

 

Oberfranken

35.328

Einwohner pro Schule

2001/02

Oberbayern 

28.739 

Einwohner pro Schule

 

Oberpfalz

32.897

Einwohner pro Schule

Übertritte nach der 4. und 5. Klasse zum Gymnasium nach Regionen
Die höchst unterschiedlichen Beteiligungsmöglichkeiten an weiterführenden Schulen (Gymnasium) werden hier besonders deutlich.

 Starnberg

 

55,9%

 München Land

 

49,6%

 Bamberg        

 

48,5%

 Erlangen             

 

48,0%

 München Stadt

 

45,6%

 Hassberge 

 

22,2%

 Deggendorf      

 

22,7%   

 Cham  

 

23,2%

Ausnutzung der Übertrittsoption nach Noten

Die veröffentlichten Zahlen zeigen deutlich, dass die Übertrittsoption an das Gymnasium in Abhängigkeit von den Noten schichtenspezifisch ausgeschöpft wird. Bei Kindern von Freiberuflern liegt die Ausschöpfung der Übertrittsoption bei 90,6%, bei Beamtenkindern beträgt sie 77,6%, bei Kindern von Handel- und Gewerbetreibenden 63,3%, bei Angestelltenkindern 61,0% und bei Bauernkindern nur 27,1%. Es ist somit nach wie vor von einem durchaus beachtlichen, brachliegenden Bildungspotential vor allem bei den Arbeiter- und den Landwirtskindern auszugehen.
(Quelle: Daten aus der mündlichen Antwort  zur SPD LT-Anfrage über die Ursachen für regionale Unterschiede in den Bildungsabschlüssen vom 13.März 2003)

Privatschulboom

Darüber hinaus steigt die Zahl der Privatschulen (in Deutschland)  von 2.000 bzw. 4,5% aller Schulen (1992) auf 2.500 bzw. 6,2% (2002)  in den letzten Jahren stetig. Immer mehr Eltern "flüchten" aus dem öffentlichen Bildungssystem. Die Kosten hierfür betragen pro Kind und Monat z.B. in München zwischen ca. 470 Euro (halbtags) und 620 Euro (ganztags). (Quelle: Der Spiegel)

(13.01.2006)